In der Buchhandlung readymade.books in Gelsenkirchen-Ückendorf, Bochumer Straße 108, wurde an diesem Abend nicht nur gelesen – es wurde gedacht, gelacht und manchmal auch so aufmerksam zugehört, dass selbst die Bücher in den Regalen kurz still geworden wären.
Unter dem Motto „Eine halbe Stunde lesen“ trafen sich vier Schülerinnen des Grillo-
Gymnasiums, um ihre Texte aus der 21. Anthologie Essen „Mein Heute und Morgen an der Ruhr“ vorzustellen. Klingt nach dreißig Minuten? Stimmt. Fühlte sich aber deutlich kürzer an – was bekanntlich ein gutes Zeichen ist.
Bevor die jungen Autorinnen die Bühne übernahmen, stellte Herausgeber Artur Nickel das Projekt vor. Er erklärte, wie aus vielen Ideen, Notizen und wahrscheinlich auch ein paar übernächtigten Schreibabenden schließlich ein richtiges Buch geworden ist. Danach war klar: Jetzt wird es ernst. Oder zumindest fast. Dann lasen Rojin Arslan, İrem Öztürk, Ecrin Baran und Sasha Ngaffi Djoleo ihre Geschichten. Mal ging es um das Heute an der Ruhr, mal um das Morgen, mal um beides gleichzeitig – und manchmal wahrscheinlich auch um alles dazwischen. Die Texte waren mal nachdenklich, mal überraschend und bewiesen vor allem eines: Gute Geschichten brauchen keine langen Reden, sondern nur gute Ideen und Menschen, die sie laut vorlesen.
Organisiert wurde der Abend von Lukas Herrmann und Hacer Akgün, die offenbar nicht nur Stühle, sondern auch eine ziemlich gute Atmosphäre organisiert hatten. Nach der Lesung gab es noch eine Fragerunde. Dabei wurde nicht nur gefragt, wie man auf solche Geschichten kommt, sondern auch, ob man beim Schreiben wirklich immer so klug aussieht wie beim Vorlesen. Am Ende gingen die Besucherinnen und Besucher mit vielen Eindrücken nach Hause – und vielleicht mit dem leisen Verdacht, dass eine halbe Stunde Lesen manchmal viel spannender sein kann als ein ganzer Abend Fernsehen.
Bericht Artur Nickel / Foto Hacer Akgün
